🌿🌸 Von Erinnerungen und tiefen Wurzeln … 🌸🌿

🌿🌸 Von Erinnerungen und tiefen Wurzeln … 🌸🌿

Als meine Urgroßmutter Barbara, im Jahr 1919, meinen Urgroßvater Heinrich heiratete, war sie 19 Jahre alt. Die beiden kannten sich schon ein Leben lang, sind zusammen aufgewachsen. Sie waren sich von jeher so zugetan, dass niemand daran zweifelte, dass die Beiden füreinander bestimmt waren. 
Da Barbara Blumen sehr liebte, schenkte ihr Heinrich zur Hochzeit einen Duftjasmin, als Zeichen seiner Liebe. Er nahm einige Mühe auf sich um diesen einen Setzling zu ergattern, da dieser Strauch damals noch recht selten war. Barbara pflanzte den kleinen Setzling im Garten ihres gemeinsamen Heims und pflegte ihn mit Hingabe. 
Ihre Tochter Katharina heiratete 1953 meinen Großvater Josef. Sie pflegte weiterhin den Jasmin ihrer Mutter, der mittlerweile zu einem riesigen Strauch herangewachsen war.
Als meine Mutter heiratete und in das Haus meines Vaters zog, nahm sie einen Ableger des Jasmins mit in ihr neues Heim. Sie setzte ihn in ein Beet, direkt an unserem Eingangstor. Während ich, ihre erstgeborene Tochter, heranwuchs, wurde auch der Jasmin immer größer. Zu der Zeit als ich zur Schule ging, nahm er bereits das ganze Beet ein. Seine Zweige rankten über die Mauer bis auf die Straße. 
Wenn ich nach Hause kam und der Jasmin in voller Blüte stand, konnte ich den betörenden Duft bereits vom anderen Ende der Straße riechen. Dann wusste ich, es ist nicht mehr weit; ich bin bald daheim. 
Dieses Gefühl ist geblieben: der Duft dieses Jasmins bedeutet für mich „Zuhause“.
Weit von meinem ursprünglichem Zuhause entfernt, wächst der Jasmin nun in meinem eigenen Garten. Denn natürlich habe auch ich einen Ableger mitgenommen, als mein Mann und ich heirateten. Jetzt ist dieses Haus und dieser Garten mein Zuhause und der Jasmin steht in voller Blüte und verströmt seinen überwältigenden Duft – geradeso wie einst, im Garten meiner Urgroßmutter, vor 100 Jahren. 
Und wenn meine Töchter je beschließen, ein anderes Haus und einen anderen Garten, ihr Eigen zu nennen, werden sie einen Ableger unseres Jasmins bekommen, damit er ihnen Glück bringt und aus einem Haus ein Zuhause macht.
Es ist gut, Flügel zu haben; zu Träumen und zu Streben. Seine eigenen Wege zu gehen und neue Erfahrungen zu machen. Aber es ist auch gut, seine Wurzeln nicht zu vergessen. Zu wissen woher man kommt und wer vor einem da war. Denn wir tragen all diese vergangenen Leben in uns, sie prägen uns auf einer Ebene, die die Logik und das klare Bewusstsein nicht immer erfassen kann. Es ist aber nicht weniger wichtig – im Gegenteil. Deshalb sollte man nicht vergessen. Man sollte sich erinnern und diese Erinnerungen an seine Kinder weitergeben.
Manche Wurzeln reichen sehr tief …

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Liebe Franziska,
    morgen möchte ich bei FB die Rezi Deines 2. Buches posten. Auf der Suche nach einem Bild des Covers landete ich hier, auf Deiner Seite. Die Geschichte Deiner Familie, der ich auch schon in anderen Geschichten von Dir begegnet bin berührt mich. Möge der Jasmin noch viele Generationen glücklicher Menschen Deiner Familie begleiten.

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